„Der Spiegel ist das glaubwürdigste deutsche Medium im Internet“, meldet das „Center für Monitoring, Analyse und Strategie“
Oder doch nicht? Relotius kein "Einzelfall" mit zig nachweislich falschen Geschichten – einige davon hanebüchen. Und die dahinter stehende Agenda, immer dieselbe, Zufall?
DIE ERFUNDENE MARIA
Die Lügen, „Der Spiegel“ und die Glaubwürdigkeit der Medien.
Nun erlebt der Spiegel den Fall „Maria“. Wieder ein Einzelfall. Zusammen mit Relotius ein Zweifelsfall.
Maria war ein syrisches Mädchen, das im August 2022 an der griechischen EU-Außengrenze ums Leben gekommen ist. So könnte das ein Journalist schreiben, wenn er sich seiner Sache sicher ist. Wenn er den Leichnam Marias gesehen hat oder ihre Todesurkunde oder ihre Papiere oder wenn eine Bestätigung der Behörden vorliegt.
Hat ein Journalist die Geschichte über die unmenschlichen Grenzen nur von einer „Nicht Regierungs-Organisation“ (NGO) gehört, sollte er sich distanzieren. Zumindest sprachlich. Zumal dann, wenn die NGO ihre Spenden oder Zuschüsse erhält, weil sie sich gegen die vermeintliche Unmenschlichkeit von Grenzen engagiert.
Der Journalist könnte dann immer noch über den Fall berichten. Aber er müsste es in etwa so formulieren: Maria soll ein syrisches Mädchen gewesen sein, das im August 2022 an der griechischen EU-Außengrenze ums Leben gekommen sei, wie die NGO berichtete.
Der Leser erfährt so mehr: Zum einen die Quelle und zum anderen, dass die Geschichte noch nicht gesichert ist.
Doch in diesem Stil hat der Spiegel eben nicht über Maria berichtet. Der Spiegel schrieb im Indikativ und in einer Detailfülle, die keinen Zweifel aufkommen lassen sollte, dass an der Geschichte keine Zweifel bestehen.
Sie beruhte auf den Erzählungen von NGO und Menschen, die in die EU einreisen wollen. Also zwei Gruppen mit einem jeweils erkennbaren Eigeninteresse: PR beziehungsweise die Weiterreise in die EU. Gerade wenn solche Eigeninteressen erkennbar sind, sollte ein Journalist vorsichtiger agieren und nach weiteren, vor allem aber nach handfesteren Belegen suchen.
Die Geschichten über „Maria“ hat der Spiegel vom Netz genommen. In der Aufarbeitung des Einzelfalls kommt dem Haus zugute, dass es ein Zweifelsfall ist.
Also gingen sie einfach wieder so vor wie bei Relotius: Der Spiegel inszenierte eine eigene Aufklärung, sprach von mangelnder Sorgfalt und dass die eigentlich unüberwindlichen Qualitätskontrollen überwunden worden seien.
Dass der Spiegel sie aber jetzt noch unüberwindlicher machen wolle, sodass ein Fall Relotius – sorry Maria – nie wieder vorkommen solle.
https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/die-luegen-der-spiegel-und-die-glaubwuerdigkeit-der-medien/