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BILD exklusiv: Plötzlich wackeln zwei Mehr-Geld-Versprechen!
Neue Wende der Bundesregierung ++ Millionen Deutsche betroffen
Berlin – Die Regierung hatte es den Bürgern fest versprochen: Fleißige sollen mehr Geld haben. Gleich drei Gruppen wollten Union und SPD entlasten: Wer als Rentner weiterarbeitet, wer Überstunden leistet, wer seine Teilzeit aufstockt, soll weniger Steuern zahlen müssen. Doch BILD erfuhr aus Koalitionskreisen: Jetzt wackelt das große Versprechen! Ob der Steuerrabatt bei Überstunden noch kommt – völlig offen.
Es ist gerade mal zehn Tage her, da wurde der Gesetzentwurf aus dem Bundesfinanzministerium von Lars Klingbeil (47, SPD) öffentlich. Darin standen noch alle drei Entlastungen:
▶︎ Für arbeitende Senioren kommt die Aktivrente. Die Rentner sollen ab Januar 2000 Euro pro Monat steuerfrei verdienen dürfen. Bislang sind es nur 1000 Euro pro Monat.
▶︎ Auf Überstundenzuschläge müssen keine Steuern mehr gezahlt werden.
▶︎ Wer seine Teilzeit aufstockt und dafür vom Arbeitgeber eine Prämie erhält, muss auf diesen Bonus (Höchstgrenze 4500 Euro) ebenfalls keine Steuern zahlen.
Doch jetzt ist plötzlich alles anders! Die steuerfreien Überstundenzuschläge und die Teilzeit-Prämie sind aus dem Gesetzentwurf gestrichen!
BILD erfuhr aus Regierungskreisen: Der Gesetzentwurf wurde öffentlich, ohne von Finanzminister Klingbeil abgesegnet worden zu sein. Speziell bei den Überstundenzuschlägen gibt es noch regierungsinternen Diskussionsbedarf. Aus Regierungskreisen hieß es: „An den Überstundenzuschlägen und Teilzeitprämien wird weiter gearbeitet, das soll erst noch mit den Gewerkschaften und Arbeitgebern besprochen werden.“
Dabei hatten es CDU-Kanzler Friedrich Merz (69) und Klingbeil im Koalitionsvertrag ganz glasklar versprochen: „Wer freiwillig mehr arbeiten will, soll mehr netto vom Brutto haben. Wir stellen umgehend Überstundenzuschläge steuerfrei.“
Woran es genau hakt, ist unklar. Klar ist nur: Das Mehr-Geld-für-Fleißige-Gesetz vergrößert das gigantische Haushaltsloch (170 Milliarden bis 2029): Es kostet pro Jahr 620 Millionen zusätzlich.
Jetzt soll nur die Aktivrente schnell in den Bundestag kommen. Der neue, abgespeckte Gesetzentwurf aus dem Finanzministerium soll demnächst in die Ressortabstimmung innerhalb der Regierung gehen, dann zügig vom Kabinett beschlossen werden. Hintergrund: Union und SPD haben sich darauf geeinigt, dass alle Rentenvorhaben (Garantie des Rentenniveaus bei 48 Prozent, Ausweitung der Mütterrente, Aktivrente) als Gesamtpaket im Parlament noch in diesem Jahr beschlossen werden. Die Gesetzentwürfe zu Rentenniveau und Mütterrente liegen dem Bundestag bereits vor, deshalb gibt es bei der Aktivrente Zeitdruck.
„Aktuell ist das auf Halten gestellt“
Theoretisch kann die Regierung später noch einen eigenen Gesetzentwurf für die Steuerfreiheit bei Überstundenzuschlägen vorlegen. Wie wichtig der Dreifach-Entlastungsschlag eigentlich wäre, stand im ursprünglichen Gesetzentwurf: „Mittels steuerfreier Überstundenzuschläge, der Teilzeitaufstockungsprämie sowie der Aktivrente wird Mehrarbeit wirksam gefördert. Dies stärkt den Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig und trägt zum Wohlstand der Bürgerinnen und Bürger bei.“ Auch diese Passage mussten die Finanzbeamten jetzt ändern.
Ob die Steuerfreiheit bei Überstunden nachgereicht wird, wissen selbst führende Politiker der Koalition nicht. Ein Haushälter zu BILD: „Aktuell ist das auf Halten gestellt. Kann noch kommen, kann aber auch nicht kommen.“
Dann wäre es nach der Stromsteuersenkung für alle und der Preisstabilität fürs Deutschlandticket das nächste gebrochene Versprechen in Sachen finanzielle Entlastung der Bürger.